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Meetingkultur verbessern: Wie ehrliches Nicht-Wissen zu besseren Entscheidungen führt

Wenn alle nicken, aber niemand dasselbe meint, scheitern strategische Entscheidungen. Warum ehrliches Nicht-Wissen die Meetingkultur verbessert — und wie Führungskräfte eine Kommunikationskultur schaffen, die auf echtem Verständnis basiert.

„Gestern habe ich mitten im Meeting gegoogelt.“ Was klingt wie ein Faux-pas, wurde zum Wendepunkt für die gesamte Vorstandskommunikation eines Technologieunternehmens. Denn das eigentliche Problem war nicht mangelndes Wissen — sondern die Illusion, dass alle Beteiligten dasselbe meinen. Eine Erfahrung, die zeigt, warum Meetingkultur verbessern vor allem bedeutet: den Mut aufzubringen, ehrlich zu sein.

Die Illusion des gemeinsamen Verständnisses — warum Meetings scheitern

In einem gemeinsamen Projekt mit dem Vorstand eines Technologieunternehmens ging es um die Digitalisierung der Produktionsprozesse. Der Begriff „Edge Computing“ fiel — und alle nickten. CEO, CTO, CFO: einvernehmliches Kopfnicken. Erst als Claus Diers, der das Meeting als externer Berater begleitete, sein Handy zückte und den Begriff nachschlug, kam die Wahrheit ans Licht.

Der CEO dachte an Cloud-Computing. Der CTO meinte lokale Datenverarbeitung. Der CFO hatte gar keine technische Vorstellung davon, was gemeint war. Drei Führungskräfte, ein Begriff, drei völlig unterschiedliche Interpretationen — und niemand hatte nachgefragt.

Das ist kein Einzelfall. In vielen Vorstandsetagen und Führungsmeetings herrscht eine Kultur des Nickens. Man stimmt zu, obwohl man nicht sicher ist, was genau gemeint ist. Man tut so, als verstünde man — aus Angst, inkompetent zu wirken. Das Ergebnis: Strategische Entscheidungen werden auf Basis von Scheineinigkeit getroffen, die in der Umsetzung zwangsläufig scheitern.

Die gefährlichste Dynamik in Meetings ist nicht offener Widerspruch — sondern stilles Nicken bei unterschiedlichem Verständnis.

Bei myConsult erleben wir dieses Muster regelmäßig in der Führungskräfteentwicklung. Teams, die scheinbar eingespielt sind, stellen bei genauer Betrachtung fest, dass sie seit Monaten aneinander vorbeireden.

Meetingkultur verbessern durch Nicht-Wissen als Führungskompetenz

„Ich weiß es nicht“ — dieser Satz gehört zu den mutigsten, die eine Führungskraft in einem Meeting sagen kann. Und paradoxerweise zu den produktivsten. Denn er öffnet einen Raum, den es sonst nicht gibt: den Raum für echtes Verständnis.

Im konkreten Fall führte das offene Googeln zu einer zweistündigen Grundsatzdiskussion, die weit über den einen Begriff hinausging. Es stellte sich heraus, dass rund 80 Prozent der bisherigen „strategischen Diskussionen“ auf Missverständnissen beruhten. Jeder sprach eine andere Sprache — aber alle taten so, als würden sie sich verstehen.

Das ist der Unterschied zwischen einer Führungskraft, die zugibt, etwas nicht zu wissen, und einer, die so tut, als wüsste sie alles. Die erste schafft Klarheit. Die zweite schafft Chaos — und zwar ein Chaos, das erst Monate später sichtbar wird, wenn Projekte scheitern, Budgets überzogen werden und Teams frustriert auseinanderdriften.

Führungskräfte, die Nicht-Wissen zugeben, schaffen nicht Unsicherheit — sie schaffen die Grundlage für echte strategische Klarheit.

Eine ehrliche Meetingkultur beginnt nicht mit besseren Agenden oder kürzeren Timeslots. Sie beginnt mit der Bereitschaft, Fragen zu stellen, die andere sich nicht trauen. Wer als Führungskraft vorangeht und zeigt, dass Nichtwissen kein Makel ist, verändert die gesamte Kommunikationsdynamik im Team.

Drei Schritte zu einer ehrlicheren Kommunikationskultur im Meeting

Die gute Nachricht: Du musst keine Revolution starten, um deine Meetingkultur zu verbessern. Drei einfache Verhaltensänderungen reichen aus, um die Qualität strategischer Diskussionen spürbar zu steigern.

Nicht-Wissen aktiv zugeben. Wenn du einen Begriff nicht kennst oder dir unsicher bist, sag es. „Ich verstehe den Begriff nicht — können wir das kurz klären?“ Dieser eine Satz gibt allen anderen im Raum die Erlaubnis, ebenfalls ehrlich zu sein. In unserer Beratungspraxis mit über 30 Jahren Erfahrung sehen wir: Sobald eine Person den Anfang macht, folgen die anderen.

Gemeinsame Definitionen erarbeiten. Bevor du über ein Thema diskutierst, stelle die Frage: „Verstehen wir alle dasselbe unter diesem Begriff?“ Klingt banal — ist aber einer der wirkungsvollsten Hebel für bessere Entscheidungen. Besonders bei Begriffen wie „Agilität“, „Digitalisierung“ oder „Transformation“ gehen die Vorstellungen oft weit auseinander.

Lernbereitschaft vorleben. „Ich google das kurz, damit wir alle auf dem gleichen Stand sind.“ Wenn Führungskräfte zeigen, dass Lernen keine Schwäche ist, sondern eine Stärke, verändert sich die gesamte Unternehmenskultur. Es entsteht psychologische Sicherheit — die Grundlage dafür, dass Menschen in Meetings sagen, was sie wirklich denken, statt das zu sagen, was erwartet wird.

Die Meetingkultur verbessern heißt nicht, Meetings effizienter zu machen — sondern ehrlicher.

Das Ergebnis im konkreten Fall: eine komplett neue Kommunikationskultur im Vorstand. Und ein Digitalisierungsprojekt, das endlich auf einem gemeinsamen Fundament steht — weil alle Beteiligten zum ersten Mal wirklich dasselbe meinen, wenn sie dieselben Worte benutzen.

Wer die Meetingkultur in seinem Unternehmen nachhaltig verändern möchte, kann mit einem moderierten Führungskräfte-Coaching den ersten Schritt machen. Denn Veränderung beginnt nicht mit neuen Prozessen — sondern mit neuem Verhalten.

Häufig gestellte Fragen

Warum scheitern Meetings trotz guter Vorbereitung? Meetings scheitern häufig nicht an der Agenda, sondern an der Illusion eines gemeinsamen Verständnisses. Wenn alle Beteiligten dieselben Begriffe verwenden, aber unterschiedliche Dinge darunter verstehen, entstehen Fehlentscheidungen, die erst in der Umsetzung sichtbar werden. Eine offene Kommunikationskultur, in der Rückfragen erlaubt und gewünscht sind, ist der wichtigste Erfolgsfaktor.

Wie kann ich als Führungskraft die Meetingkultur verbessern? Der wirksamste Hebel ist Vorbildverhalten. Wer als Führungskraft offen zugibt, etwas nicht zu wissen, gibt dem gesamten Team die Erlaubnis, ehrlich zu sein. Konkret helfen drei Gewohnheiten: Nicht-Wissen zugeben, gemeinsame Definitionen klären und Lernbereitschaft aktiv vorleben. Diese kleinen Verhaltensänderungen verändern die Qualität strategischer Diskussionen spürbar.

Was ist die Illusion des gemeinsamen Verständnisses? Die Illusion des gemeinsamen Verständnisses beschreibt das Phänomen, dass alle Beteiligten in einer Diskussion nicken und zustimmen, obwohl sie unter denselben Begriffen völlig unterschiedliche Dinge verstehen. Dieses Muster ist besonders gefährlich bei strategischen Entscheidungen, weil Missverständnisse erst Wochen oder Monate später auffallen — wenn Projekte bereits in die falsche Richtung laufen.

Quellen

Originalbeitrag auf LinkedIn

Claus Diers
Über den Autor
Claus Diers
Claus Diers ist Inhaber der myConsult OHG, ICF Coach und Change Management Expert. Seit über 30 Jahren begleitet er Konzerne und Mittelständler bei strategischen Veränderungsprozessen.
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