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Ungewissheit im Change Management: Warum kleine Schritte große Blockaden lösen

Unser Gehirn erträgt Ungewissheit schwerer als sicheren Schmerz — das zeigt eine UCL-Studie. Warum genau das Change-Projekte zum Scheitern bringt und wie ein 6-Wochen-Auftakt Gewissheit im Ungewissen schafft.

Es gibt eine Sache, die wir Menschen aus psychologischer Sicht so gar nicht ertragen können: Ungewissheit. Eine Studie der University College London (UCL) aus dem Jahr 2016 zeigt, dass eine 50-prozentige Wahrscheinlichkeit, einen Elektroschock zu erhalten, zu stärkerem Stress führt als die Gewissheit, den Schock sicher zu bekommen. Unser Gehirn kann Ungewissheit also schwerer aushalten als sicheren Schmerz — und genau diese Erkenntnis erklärt, warum so viele Veränderungsprojekte scheitern. Denn Ungewissheit im Change Management ist der häufigste und zugleich am meisten unterschätzte Grund für Blockaden. Bei myConsult arbeiten wir deshalb seit über 35 Jahren mit einem Ansatz, der diese psychologische Hürde von Anfang an adressiert.

Warum Ungewissheit Veränderung blockiert — und was die Forschung zeigt

Die UCL-Studie unter der Leitung von Archy de Berker untersuchte 45 Probanden, die in einem Computerspiel Steine umdrehten — unter manchen lauerten Schlangen, die einen milden Elektroschock auslösten. Dabei veränderten sich die Wahrscheinlichkeiten im Spielverlauf laufend. Das Ergebnis war eindeutig: Der höchste Stress entstand nicht bei sicherem Schmerz, sondern bei maximaler Ungewissheit — also bei einer 50:50-Chance. Sowohl bei 0 Prozent als auch bei 100 Prozent Wahrscheinlichkeit war der Stress deutlich geringer.

Für das Change Management hat diese Erkenntnis weitreichende Konsequenzen. Denn genau das passiert in Veränderungsprozessen: Mitarbeitende und Führungskräfte befinden sich über Monate oder sogar Jahre in einem Zustand maximaler Ungewissheit. Niemand weiß sicher, wie es ausgeht. Niemand kann vorhersagen, ob sich die Investition auszahlt. Und niemand hat eine klare Vorstellung davon, wie der Alltag nach der Veränderung aussehen wird.

Unser Gehirn erträgt Ungewissheit schwerer als sicheren Schmerz. Genau deshalb blockiert Ungewissheit im Change Management stärker als jedes sachliche Argument — und genau deshalb scheitern so viele Veränderungsprojekte.

Unser Gehirn liebt die Komfortzone, denn dort herrscht Vorhersehbarkeit. Selbst wenn wir die Veränderung rational wollen, wehrt sich unser System dagegen — weil der Weg ungewiss ist. Diese Reaktion ist dabei keine Schwäche und kein Widerstand im klassischen Sinne. Es ist eine tief verankerte neurologische Schutzfunktion. Wer Ungewissheit im Change Management ignoriert, arbeitet deshalb gegen die menschliche Psychologie — und verliert.

Der klassische Fehler: Riesenveränderung plus Riesenungewissheit

Wie starten die meisten Unternehmen ihre Veränderungsprojekte? Mit riesigen, langfristigen Vorhaben: tiefgreifende Umstellungen, massive Investitionen, Monate oder Jahre der Unsicherheit. Psychologisch betrachtet ist das ein Hochrisiko-Szenario — denn es kombiniert zwei Faktoren, die sich gegenseitig verstärken.

Die perfekte Formel für Blockaden

Riesenveränderung plus Riesenungewissheit ergibt die perfekte Formel für Blockaden. Je größer das Vorhaben, desto unklarer der Ausgang. Je unklarer der Ausgang, desto stärker der Stress. Und je stärker der Stress, desto größer der innere Widerstand — auch bei Menschen, die die Veränderung grundsätzlich befürworten.

Claus Diers beobachtet dieses Muster seit über drei Jahrzehnten: „Die meisten Change-Projekte scheitern nicht an mangelnder Strategie oder fehlendem Budget. Sie scheitern daran, dass die psychologische Hürde der Ungewissheit von Anfang an ignoriert wird. Stattdessen wird ein riesiges Projekt aufgesetzt, das alle Beteiligten in maximale Unsicherheit stürzt — und dann wundert man sich über Widerstand.“

Warum klassische Kommunikation nicht reicht

Viele Unternehmen versuchen, diese Ungewissheit im Change Management durch Kommunikation zu lösen: Town Halls, FAQ-Dokumente, regelmäßige Updates. All das ist wichtig und richtig. Allerdings adressiert Kommunikation nur die kognitive Ebene — nicht die emotionale. Ein FAQ beantwortet Fragen, die jemand formulieren kann. Die Ungewissheit hingegen sitzt tiefer: im Bauch, nicht im Kopf. Deshalb reicht Information allein nicht aus, um die psychologische Blockade zu lösen. Es braucht einen anderen Ansatz.

Riesenveränderung plus Riesenungewissheit — das ist die perfekte Formel für Blockaden im Change Management. Und trotzdem starten die meisten Unternehmen ihre Veränderungsprojekte genau so.

Der Change-Auftakt: Wie Gewissheit im Ungewissen entsteht

Bei myConsult arbeiten wir deshalb psychologisch cleverer. Statt einer massiven Umstellung direkt zu starten, schalten wir einen Change-Auftakt vor — eine vorgeschaltete Erfolgssicherung vor dem eigentlichen Projektstart. Der Kern des Ansatzes: Ungewissheit im Change Management reduzieren, bevor die große Veränderung beginnt.

So funktioniert der Change-Auftakt

Konkret sieht das so aus: Anstatt ein Millionenprojekt aufzusetzen und monatelang im Nebel zu steuern, beginnen wir mit einem kurzen Zeitraum von sechs bis acht Wochen. Die finanzielle Einstiegshöhe bleibt bewusst niedrig, sodass das Risiko überschaubar ist. In dieser Phase beantworten wir fünf Schlüsselfragen, die zusammen die Ungewissheit systematisch abbauen:

Erstens: Sind unsere Leute motiviert — und können sie es auch? Diese Frage klärt, ob die Voraussetzungen im Team stimmen, bevor Ressourcen in ein großes Vorhaben fließen.

Zweitens: Haben wir Klarheit über die Verbesserungsthemen? Oft zeigt sich erst bei genauem Hinsehen, wo die eigentlichen Hebel liegen — und wo die Organisation ihre Energie verschwendet.

Drittens: Welche Lösungen bauen darauf auf? Statt abstrakte Strategien zu entwerfen, entwickeln wir konkrete Ansätze, die auf den identifizierten Themen basieren.

Viertens: Werden sie greifbar genug, um früh ein Erfolgsgefühl zu erzeugen? Gerade weil Ungewissheit so belastend ist, brauchen Menschen schnelle Orientierungspunkte. Frühe, sichtbare Ergebnisse wirken dabei wie ein psychologischer Anker.

Fünftens: Ist das, was wir insgesamt vorhaben, erreichbar? Die ehrlichste aller Fragen — denn manchmal zeigt der Auftakt, dass das ursprüngliche Vorhaben unrealistisch war. Auch das ist ein wertvolles Ergebnis, weil es vor einer kostspieligen Fehlentscheidung schützt.

Die Antwort auf Ungewissheit im Change Management ist nicht mehr Kommunikation — sondern weniger Risiko am Anfang. In sechs bis acht Wochen schaffen wir Gewissheit im Ungewissen. Erst dann entscheiden wir, ob und wie es weitergeht.

Durch diesen Ansatz verwandelt sich die Ungewissheit im Change Management in etwas Handhabbares. Anstatt Monate im Nebel zu steuern, hat die Organisation nach sechs bis acht Wochen eine fundierte Entscheidungsgrundlage. Und erst dann — mit echtem Wissen statt mit Hoffnung — beginnt das eigentliche Projekt.

Wenn auch du vor einem Veränderungsvorhaben stehst und spürst, dass die Unsicherheit alle lähmt, dann beginne nicht mit dem großen Wurf. Beginne mit dem Auftakt. Für ein unverbindliches Gespräch darüber, wie das in deinem Fall aussehen könnte, melde dich bei uns. Alternativ bietet die Change-Sofort-Hilfe einen noch schnelleren Einstieg in drei bis fünf Tagen.

Häufig gestellte Fragen

Warum erzeugt Ungewissheit mehr Stress als sicherer Schmerz?
Eine Studie der University College London (2016) hat erstmals quantifiziert, dass maximale Ungewissheit — eine 50:50-Chance auf einen negativen Ausgang — stärkeren Stress erzeugt als die Gewissheit, dass der negative Ausgang sicher eintritt. Neurologisch erklärt sich das durch den Kontrollverlust: Unser Gehirn kann mit Sicherheit umgehen, auch mit negativer — aber nicht mit dem Zustand des Nicht-Wissens.

Warum scheitern Change-Projekte an Ungewissheit?
Viele Veränderungsprojekte kombinieren massive Veränderungen mit maximaler Ungewissheit über einen langen Zeitraum. Dieser Zustand aktiviert die psychologische Stressreaktion und erzeugt Widerstand — selbst bei Menschen, die die Veränderung grundsätzlich befürworten. Klassische Kommunikationsmaßnahmen wie Town Halls oder FAQ-Dokumente adressieren dabei nur die kognitive Ebene, nicht die emotionale Belastung durch Unsicherheit.

Was ist der myConsult Change-Auftakt?
Der Change-Auftakt ist eine vorgeschaltete Erfolgssicherung vor dem eigentlichen Change-Projekt. In sechs bis acht Wochen und mit bewusst niedrigem finanziellem Einstieg beantwortet er fünf Schlüsselfragen: Sind die Leute motiviert? Wo liegen die echten Hebel? Welche Lösungen funktionieren? Gibt es frühe Erfolge? Und ist das Gesamtvorhaben überhaupt erreichbar? Erst danach fällt die Entscheidung über das weitere Vorgehen.

Quellen

Originalbeitrag auf LinkedIn
UCL-Studie: Uncertainty can cause more stress than inevitable pain, 2016
De Berker et al.: Computations of uncertainty mediate acute stress responses in humans, Nature Communications, 2016

Claus Diers
Über den Autor
Claus Diers
Claus Diers ist Inhaber der myConsult OHG, ICF Coach und Change Management Expert. Seit über 30 Jahren begleitet er Konzerne und Mittelständler bei strategischen Veränderungsprozessen.
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